HAG Werbearchiv mit MitarbeiterInnen um 1931

Das Werbearchiv der Kaffee-HAG

 
Nach der Erfindung und Patentierung des koffeinfreien Kaffees 1906 baute Ludwig Roselius in wenigen Jahren einen international agierenden Konzern auf, die Kaffee-Handels-Aktien-Gesellschaft.

Schon 1907 ließ er ein Fabrikgebäude errichten, das für die ersten fünf Jahre weit überdimensioniert schien, dann aber noch vor dem Ersten Weltkrieg aus Platzmangel erweitert werden musste.Nils Aschenbeck, Aus einem Guß, Veröffentlichungen des Bremer Landesmuseums 89, Bremen 1991, S. 24 Binnen weniger Jahre gelang es Roselius, aus einem Produkt, für das es keinen Markt gab, einen der ersten konfektionierten Markenartikel zu kreieren, der zum Synonym für seine ganze Produktgruppe wurde. Dieser Erfolg gründete sich auf Bildung einer ‚corporate identity‘ und auf systematische ‚Propaganda‘ für sein Produkt. 1913 gliederte Roselius hierfür die ‚Wissenschaftliche Betriebsführungs GmbH‘Wissenschaftliche Betriebsführung, Kleine Chronik 1913-1963, Privatdruck zur Jubiläumsfeier am 15.11.1963, (ArBö, 9.3.6.1). Als Geschäftszweck für die neue Gesellschaft wird “die Kontrolle, Organisation und Verwaltung von Unternehmungen jeder Art im In- und Ausland, insbesondere die Vornahme von Treuhandgeschäften" angegeben. Die ‘WB’ hatte ihren Sitz zunächst im 1908-1913 eigens dafür restaurierten Haus Böttcherstraße 6, dem heutigen Roselius-Haus. Nach dem Ersten Weltkrieg orientierte sich die Aktivität der Firma mehr und mehr in den Bereich der Werbung und dem Druck von Packungen und Betriebsdrucksachen.< als Tochter aus der HAG aus. Parallel hierzu entstand das HAG-Werbearchiv zur Dokumentation. Bis zum Verkauf der Kaffee HAG im Jahre 1979 wurde dieses Archiv fortgeführt und zählte mit geschätzten mehreren hundert Regalmetern zu den umfangreichsten und inhaltlich wertvollsten Wirtschaftsarchiven im Bereich der Lebensmittelwerbung. Der größte Teil dieses Archivs konnte im Staatsarchiv Bremen gesichert werden. Der Weg des HAG-Werbearchivs ins Staatsarchiv Bremen sei hier kurz nachgezeichnet:

Solange es eine personelle Kontinuität im HAG-Werbearchiv gab und die dort dokumentierten Produkte Kaffee HAG, Onko-Kaffee, Kaba und Kabafit am Markt waren, wurde das Archiv fortgeführt. Am wichtigsten war aber die räumliche Kontinuität im HAG-Fabrikgebäude am Holzhafen in Bremen. Nach dem Verkauf des HAG-Konzerns an General-Foods 1979 wurde die HAG zunächst von dort aus weitergeführt. Der Philipp Morris Konzern kaufte 1985 General Foods, 1988 Kraft und 1990 schließlich auch den ebenfalls in Bremen ansässigen Mitbewerber Jacobs Kaffee.Alexander Schug, 100 Jahre Kaffee Handels-Aktien-Gesellschaft, in: 100 Jahre Kaffee HAG, hrg. von Kraft Foods Deutschland, Bremen 2006, S. 60 Nach der Zusammenlegung der Firmen zu ‚Kraft Jacobs Suchard‘ im Jahre 1993 wurde das angestammte Firmengelände der HAG am Holzhafen verkauft und das Werbearchiv in ein Fabrikgebäude von Jacobs Kaffee nahe dem Gelände der Becks Brauerei auf eine ungenutzte Etage ausgelagert, teils in den originalen Archivschränken, teils in Umzugskartons, jedenfalls nicht mehr in der alten Archivsystematik. Bis auf mündlich überlieferte Kenntnis über unregistrierte Entnahmen war das Werbe-Archiv der HAG bis 1995 noch komplett, die Systematik aber nur noch theoretisch aufrechterhalten. Das Fabrikgebäude, in dem das Archiv lagerte, sollte im Sommer 1995 abgerissen werden und das Schicksal des Archivs wäre wohl der Totalverlust gewesen, wenn nicht durch einen Zufall der langjährige Geschäftsführer der Böttcherstraße GmbH, Hans Tallasch, Kenntnis davon erlangt hätte und in Absprache mit der Muttergesellschaft der Sparkasse in Bremen eine Übernahme des Archivs in Form einer Schenkung erreichen konnte. Federführend war der damalige Vorstandsvorsitzende Friedrich Rebers. So zogen 1995 im Sommer 535 Umzugskartons und etwa die Hälfe der eigens gefertigten Archivschränke aus den 1960er Jahren in verschiedene Lager der Böttcherstraße GmbH und der Sparkasse in Bremen um. Bei dieser Art der Lagerung gingen weitere archivalische Zusammenhänge verloren, auch wenn es nun Aufgabe war, das Archiv elektronisch zu erfassen und in Teilen zu digitalisieren. Die personelle und räumliche Ausstattung ließ dies nur in geringem Umfang zu. Die Archivalien waren aber gerettet.

Bei Vorarbeiten zum einhundertjährigen Firmenjubiläum der Kaffee-HAG 2006 und im Rahmen von Forschungen zu Zwangsarbeit während der NS-Zeit wurde im KJS-Konzern ein neues Zentralarchiv Deutschland geschaffen. Da Teile des Schenkungsvertrages von der Böttcherstraße GmbH nicht erfüllt werden konnten, erreichte die Konzernleitung von Philipp Morris im November 2004 eine Aufhebung des Vertrages und die Rückführung des Archivs in neue, moderne, eigens hierfür eingerichtete Archivräume auf dem ehemaligen Gelände von Jacobs Kaffee. Personell und räumlich gut ausgestattet, wurde das Werbearchiv der HAG nun archivgerecht gelagert, elektronisch erfasst und mit weiteren Firmenarchiven des Konzerns zusammengeführt. Vereinbart wurde auch, dass alle Archivalien aus dem HAG-Archiv, die die Böttcherstraße und die von dort aus verwalteten Firmen des HAG-Konzerns betrafen, ins Archiv der Böttcherstraße gegeben werden, während umgekehrt Archivalien, die die HAG betreffen und im Archiv der Böttcherstraße lagerten, ins neue Zentralarchiv Kraft Jacobs Suchard überführt werden sollten. Dies wurde in mehreren Teilschritten vollzogen.

In den 2010er Jahren gab es weitere Konzernumstrukturierungen, die dazu führten, dass das Zentralarchiv nicht mehr für Firmenzwecke genutzt und benötigt wurde. Zuerst hat man die Marke KabaWikipedia Artikel Kaba (Kakogetränk) (aufgerufen 1/25) ins Ausland verkauft. Ein Teil der Archivalien zu Kaba konnte aber 2016 ins Staatsarchiv Bremen übernommen werden. Nach einem Weiterverkauf der Kaffeesparte und der Aufgabe der Räumlichkeiten des Zentralarchivs, stand die Auflösung des Werbearchivs der Kaffee-HAG bevor. Den Bemühungen des Leiters des Staatsarchivs und des Sachgebietsleiters Wirtschaft ist es zu verdanken, dass 2019 ein großer Teil der Archivalien per SchenkungKaffee HAG übergibt Firemenarchiv ans Staatsarchiv, Bremer Tageszeitungen am 19.01.2019, S. 13 (Frank Hethey) in das Staatsarchiv Bremen übernommen werden konnte. Dort wurde der Bestand ausgearbeitet und ist unter der Signatur StAB 7.2157 verzeichnet.

Text: Uwe Bölts (03/25, ergänzt 03/26)

  • erweitert werden musste.Nils Aschenbeck, Aus einem Guß, Veröffentlichungen des Bremer Landesmuseums 89, Bremen 1991, S. 24
  • ‚Wissenschaftliche Betriebsführungs GmbH‘Wissenschaftliche Betriebsführung, Kleine Chronik 1913-1963, Privatdruck zur Jubiläumsfeier am 15.11.1963, (ArBö, 9.3.6.1). Als Geschäftszweck für die neue Gesellschaft wird “die Kontrolle, Organisation und Verwaltung von Unternehmungen jeder Art im In- und Ausland, insbesondere die Vornahme von Treuhandgeschäften" angegeben. Die ‘WB’ hatte ihren Sitz zunächst im 1908-1913 eigens dafür restaurierten Haus Böttcherstraße 6, dem heutigen Roselius-Haus. Nach dem Ersten Weltkrieg orientierte sich die Aktivität der Firma mehr und mehr in den Bereich der Werbung und dem Druck von Packungen und Betriebsdrucksachen.<
  • Jacobs Kaffee.Alexander Schug, 100 Jahre Kaffee Handels-Aktien-Gesellschaft, in: 100 Jahre Kaffee HAG, hrg. von Kraft Foods Deutschland, Bremen 2006, S. 60
  • KabaWikipedia Artikel Kaba (Kakogetränk) (aufgerufen 1/25)
  • SchenkungKaffee HAG übergibt Firemenarchiv ans Staatsarchiv, Bremer Tageszeitungen am 19.01.2019, S. 13 (Frank Hethey)