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Über uns

Da bei Wirtschaftsunternehmen nur eine Dokumentationspflicht von in der Regel 10 Jahren besteht, kann man im Fall der Böttcherstraße von einem Glücksfall sprechen, dass sich trotz dieses Umstandes und der Verluste infolge der Zweiten Weltkriegs noch ungewöhnlich viel Material erhalten hat, sowohl aus der Erbauungszeit als auch aus der Zeit nach dem Wiederaufbau. Es lässt sich so eine fast lückenlose Geschichte dieser höchst ungewöhnlichen Straße dokumentieren. Ein Großteil des Archivgutes wurde ganz bewusst aufbewahrt, in Kenntnis der Einmaligkeit und des ästhetischen Wertes der Gegenstände. Das Archivgut ist eng verbunden mit der Geschichte und den Gebäuden der Böttcherstraße und befindet sich im Eigentum der gemeinnützigen Stiftung Bremer Sparer-Dank. Betrieben wird es im Rahmen eines Dienstleistungsvertrags von der Böttcherstraße GmbH. Räumlich ist das Archiv in den beiden oberen Stockwerken des Hauses Böttcherstraße 4 untergebracht in den Giebeln, die das bekannte Glockenspiel rahmen, das auch vom Archiv betreut wird.

Abb. 1: Haus des Glockenspiels
Giebel nO Sitz des Archivs in den oberen beiden Geschossen im Haus des Glockenspiels

Die Aufgaben des Archivs

Die Aufgabe des Archivs ist die Erhaltung, Erschließung und Verzeichnung der Bestände. Ziel ist es, die Bestände auf verschiedenen Ebenen öffentlich zu vermitteln, um: 

  • eine breite Öffentlichkeit auf die Geschichte und Besonderheit der Böttcherstraße aufmerksam zu machen
  • Verlagen und anderen Publikationsorganen ausgewähltes Bild- und Textmaterial zur Verfügung zu stellen
  • Interessierten Privatpersonen eine fundierte Beschäftigung mit Themen und Objekten der Straße zu ermöglichen 
  • Medienvertreter*innen aufbereitete Inhalte an die Hand zu geben und eigene Recherchen anzuregen 
  • für Schul- und Hochschullehrer Quellen zusammenzustellen und zu interpretieren für ihren Projektunterricht
  • Wissenschaftler*innen die Quellen für ihre Forschungsprojekte zugänglich zu machen und den Arbeitsprozess und die Ergebnisse in einem ‚open access‘ zu führen
  • Beratung und Versorgung mit Originalen und Quellenmaterial bei der denkmalgerechten Erhaltung der Bauten in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege.

Die Bestände des Archivs

Der Gesamtumfang des Archivs beträgt ca 150 lfd. Regalmeter. Etwa die Hälfte ist Schriftgut, das aus der Geschäftstätigkeit der Verwaltungsgesellschaften der Böttcherstraße stammt. Es reicht zurück bis Anfang der 1920er Jahre.

Die andere Hälfte der Bestände des Archivs macht Sammlungsgut aus:

  • ca. 4.500 Bauzeichnungen aus der Erbauungszeit bis in die Gegenwart
  • ca. 2.000 historische Fotografien vor 1945
  • ca. 50 Gemälde und Zeichnungen sowie diverse wertvolle kunsthandwerkliche Stücke aus den Werkstätten in der Böttcherstraße
  • ca. 500 Plakate, meist zu Ausstellungen in der Böttcherstraße
  • ca. 250 historische Filme und Tonträger
  • Handbibliothek mit etwa 3.000 Büchern und Zeitschriften
  • Von besonderer Bedeutung ist die Zeitungsausschnittsammlung, die 1927 begonnen wurde und ständig fortgeführt, alle auch international zur Böttcherstraße erschienen Pressäußerungen sammelt. Dazu zählen heute auch die Sozialen Medien.

Die Betreuung des Archivs

Das Archiv wird seit 1994 wissenschaftlich betreut (1/2 hauptamtliche Stelle), 1 Minijob und 1 ehrenamtlicher Mitarbeiter. Hinzu kommen studentische Praktikant*innen, die im Rahmen ihres Studiums in den Fachbereichen Geschichte und Kulturwissenschaften ihre Pflichtpraktika absolvieren. Hier arbeiten wir eng mit dem Staatsarchiv Bremen zusammen, das uns auch in allen archivalischen Fragen berät.

Seitdem das Archiv wissenschaftlich betreut wird, ist es das Ziel, die Bestände nach der Erfassung und Verzeichnung aktiv der Öffentlichkeit zu vermitteln. Dies ist uns ein besonderes Anliegen, zumal an der Böttcherstraße aus dem Zusammenklang von Architektur und erhaltenen Quellen ein sehr differenziertes Bild über die Zeit der Weimarer Republik und den Weg in den Nationalsozialismus gewonnen werden kann, bis hin zum Umgang mit der Geschichte in der Nachkriegszeit. Dies geschieht in Form von Ausstellungen zum Themenkreis Böttcherstraße mit Kolloquien und Vorträgen, Publikationen in Buchform, Kleinschriften (Führern) und Faltblättern für unterschiedliche Zielgruppen, sowie Schulungen von Fremdenführer*innen.

Parallel hierzu werden die Bestände fortlaufend digitalisiert und ausgewertet. Dies wird noch Jahre in Anspruch nehmen. Fernziel ist es, sämtliche für die Forschung relevante Bestände digital zu edieren. Darüber hinaus ist die Bearbeitung von Benutzer*innen-Anfragen immer noch wesentlicher Bestandteil der Archivarbeit. Da das Archiv nicht ständig besetzt ist, sind Besuche nur nach Vereinbarung möglich.